„Außerirdisches Gestein“ in Koblenz

Am 8. März 2026 war gegen 18.55 Uhr eine helle Feuerkugel über Westdeutschland und den angrenzenden Ländern (insbesondere Frankreich, Belgien, Luxemburg und Niederlande) zu sehen.

Am 8. März 2026 war gegen 18.55 Uhr eine helle Feuerkugel über Westdeutschland und den angrenzenden Ländern (insbesondere Frankreich, Belgien, Luxemburg und Niederlande) zu sehen. Wenige Minuten später schlug ein tennisballgroßer Gesteinsbrocken ein Loch in das Dach eines Wohnhauses in Koblenz.

Als Feuerkugel, Bolide oder auch (seltener) Feuerball wird ein besonders heller Meteor bezeichnet. Für diese Leuchterscheinungen sind – ähnlich wie für Sternschnuppen – Meteoriden verantwortlich, die in die Erdatmosphäre eindringen. Hinter den wesentlich lichtschwächeren Sternschnuppen verbergen sich Meteoriden mit der Größe von Staubkörnern (ab etwa einem Durchmesser von rund 0,1 Millimeter). Die Ursprungsmeteoriden von Feuerkugeln sind größer und massiver (Durchmesser über einem Zentimeter). Von diesen Gesteinsbrocken können bisweilen einzelne (Teile) die Erdoberfläche erreichen. Diese werden dann als Meteoriten bezeichnet.

Die Abgrenzung zwischen Feuerkugel und Sternschnuppe erfolgt in der Regel anhand ihrer scheinbaren Helligkeit. Demnach werden solche Ereignisse mit einer Helligkeit von größer al -4 mag („heller als Venus“) als Feuerkugel und Erscheinungen mit geringerer Helligkeit als Sternschnuppe bezeichnet.

Die International Meteor Organisation konnte bezüglich der Feuerkugel vom 8. März 2026 mehr als 3.000 Augenzeugenberichte und über 100 Fotos verzeichnen. Zudem wurde diese Feuerkugel von den AllSky7-Kameras des Arbeitskreises Meteore e.V. aufgezeichnet werden.

Wenige Minuten nach diesen Beobachtungen schlug schließlich ein Meteorit in das Dach eines Koblenzer Wohnhauses ein und hinterließ eine etwa Fußballgroßes Loch im Dach des Hauses.

Die Polizei Koblenz teilte mit, dass mittlerweile insgesamt 11 Gesteinsstücke in und um das Haus gefunden wurden, in dem das größte Stück hineingeflogen war. Die einzelnen Gesteinsbrocken haben demnach jeweils ein Gewicht zwischen 6 bis 161 Gramm.

Die gefunden Gesteinsbrocken sind nur kleine Teile des ursprünglichen Asteroiden, bevor dieser in die Erdatmosphäre eingetreten ist. Die ESA (European Space Agency) schätzt, dass der ursprüngliche Asteroid vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre einen Durchmesser von etwas mehr als einem Meter hatte. Große Teile sind bei dem Flug durch die Erdatmosphäre verglüht, so dass nur noch wenige Gesteinsbrocken viel geringerer Größe schließlich auf der Erde angekommen sind.

Wissenschaftler konnten mittlerweile auch eine genaue Flugbahn des Objektes berechnen. Diese Berechnung erfolgte nicht auf Basis von visuellen Beobachtungen oder Fotografien, sondern über Daten, die von Erdbebenmessstationen geliefert wurden.

„Beim Eintritt in die Atmosphäre erzeugt ein schneller Meteoroid eine Druckwelle, die sich wie ein Mach-Kegel – also der typische Überschall-Kegel eines sehr schnellen Objektes – ausbreitet. Empfindliche Seismometer können diese schwachen Schallwellen registrieren. Aus den Ankunftszeiten der verschiedenen Messstationen lässt sich die Flugbahn des Meteoroids rekonstruieren.“ Erläutert Dario Eickhoff vom Geophysikalischen Institut (GPI) des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in einer Pressemitteilung vom 9.3.2026.

Die Wissenschaftler des KTI nutzten dafür ein dichtes Netz seismischer Messstationen in der Eifel, welches das GPI eigentlich für seismologische Untersuchungen betreibt. „Die große Zahl an Messpunkten ermöglichte eine besonders genaue und zügige Berechnung“, so Eickhoff. „Wenn sich aus den Messdaten schnell eine präzise Flugbahn bestimmen lässt, erhöht das auch die Chance, Meteoritenfragmente zu finden. Diese Proben liefern wichtige Informationen über die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems.“

Die Ergebnisse zeigen, dass der Meteoroid aus westlicher Richtung kam und zunächst Luxemburg sowie die Eifel überflog, bevor Fragmente im Raum Koblenz niedergingen. Die berechnete Einschlagszeit ist 18:57 Uhr.

Seismische Daten bieten nach Ansicht der Forschenden mehrere Vorteile für die Untersuchung solcher Ereignisse. „Es gibt deutlich mehr Erdbebenmessstationen als spezialisierte Meteorkameras“, sagt Professor Joachim Ritter vom GPI, der die Arbeiten zu Erdbeben in der Eifel leitet. „Außerdem sind seismische Messungen unabhängig von Tageslicht oder Bewölkung möglich.“ Besonders wertvoll sei die Methode in der Dunkelflugphase am Ende der Flugbahn, in der der Meteor nicht mehr leuchtet, seine Druckwelle jedoch weiterhin messbar bleibt.

Bildqullen:

Titelbild: Fragment des Meteoriten, der in Koblenz-Güls in ein Dach eingeschlagen ist. Wikipedia/Andreas Möller (Lizenz: CC-by-sa 4.0), https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Koblenz_Meteorit.jpg

Bild/Grafik im Artikel: Dario Eickhoff/Karlsruher Institut für Technologie (KIT), https://www.km.kit.edu/img/meteorit-trajektorien-konturlinien-sektion.png

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